Die Welt bequem von Zuhause aus verbessern - Projekt Wurmkiste

Die ganze Welt spricht über den Trend der Indoor-Anbauung von Gemüse und der Haltung von kleinen nützlichen Würmern, die jeglichen Abfall zu nährstoffreichem Humus verwandeln. Wir haben uns für euch in das Abenteuer Wurmkiste gestürzt.

Rund 60kg Bio- und Grünabfall produziert ein Mensch in Deutschland pro Jahr. Viele Haushalte besitzen in den Städten keine Trennung zwischen Haushalts- und Bioabfall, da wird alles über die schwarze Restmülltonne entsorgt. Pro Kopf produziert jeder Einwohner durchschnittliche 475kg Restmüll im Jahr. Allein diese Zahlen schlagen Alarm und zeigen, dass jeder Einzelne eine Veränderung bewirken kann. Ein kleiner eigener „Kompost“ im Wohnzimmer gut inszeniert als Hocker, kann bis zu einem Kilogramm Bioabfall am Tag zersetzen (1000- 1300g Würmer). Im Normalfall startet man mit einer Kolonie, die aus rund 500 Würmern besteht. Diese können eine Handvoll Bioabfälle am Tag verarbeiten, das sind zwischen 100-200g.

 

Wie baue ich mir eine Wurmkiste?

Im Internet findet man diverse Angebote von Wurmkisten, es gibt sie schon fertig, als Selbstbausatz und als Anleitung für den Baumarkt. Im Prinzip sind alle ähnlich aufgebaut. Man benötigt Bretter für eine Holzkiste oder einfach eine Holzkiste, optimal aus unbehandeltem Holz. In diese müssen Luftlöcher gebohrt werden. Anschließend nutzt man Plastekisten mit löchrigem Boden oder eine Holzplatte mit kleinen Löchern als Zwischenboden. Diese wird rund 10-15cm oberhalb des Bodens abnehmbar angebracht. Unterhalb der Zwischenplatte positioniert man einen Auffangbehälter, oberhalb setzt man die Würmer gemischt mit Erde und eingeweichter Pappe ein. Um die Bewohner vor Austrocknung zu schützen, deckt man sie mit einer Hanfmatte ab. Die ersten beiden Tage besprüht man die Würmer ausschließlich mit Wasser. Danach dürfen die kleinen Untermieter anfangen den Bioabfall abzuarbeiten. Für das Ernten der Erde benötigt man eine Hartplastekiste mit Löchern im Boden, die komplett in die Holzkiste passt.

 

     Schematischer Aufbau einer Wurmkiste

 

Dürfen die kleinen Helfer alles futtern?

Nein, Würmer dürfen keine Zwiebeln, Knoblauch, Fleisch oder Milchprodukte. Auch von Kaffee und Teebeuteln würde ich Abstand nehmen. Dafür können die Kleinen sowohl Holz als auch Pappe, Papier und Eierschalen und sogar Haare zerkleinern.

Wo bekomme ich denn die Würmer her?

In die Wurmkiste gehören Kompostwürmer - Eisenia andrei, Eisenia foetida und Eisenia hortensis – sind die bekanntesten Arten. Man bekommt sie beispielsweise online. Sie werden dann in einem Eimer mit Luftlöchern und Erde geliefert. Dieser sollte den ersten Tag ruhen. Falls die Würmer sofort versetzt werden in das neue Zuhause, kann es sie überfordern.

 

Wie kann ich die Erde ernten?

Nach ungefähr 3 Wochen kann das erste Mal geerntet werden. Je nach Größe der Wurmkiste kann es auch länger dauern. Sobald die Würmer so viel Erde produziert haben, dass die Erntekiste, ohne die Holzkiste vollkommen schließen zu können, nicht mehr reinpasst, muss man ernten. Nun stellt man die Kiste auf die Wurm-Erde-Mischung und wirft das kommende „Futter“ in die Kiste. Nach 1-2 Wochen befinden sich alle Würmer in der Kiste und man kann die Erde entnehmen. Zwischendurch produzieren manche Wurmstämme Wurmsaft – dieser kann in einer 1:10 Mischung mit Wasser als Dünger genutzt werden. Der Saft sammelt sich in der untergelegten Schale am Boden der Kiste.

 

Wo stelle ich die Kiste am besten hin?

Am liebsten stehen die Würmer in der Küche. Praktischerweise kann man sie als Hocker getarnt überall hinstellen. Zugluft und große Temperaturunterschiede mögen sie überhaupt nicht. Zwischen 15-25 Grad ist die optimale Temperatur. Im Sommer kann man die Kolonie auch auf den Balkon oder raus ans Haus stellen. Minusgrade lassen die Würmer erfrieren.

 

Was kostet mich dieses Projekt?

Eine Kiste mit einer vollen Population als Zusammenbaukasten bekommt man ab 199 Euro. Fertige Hocker sind ähnlich teuer. Heimwerkermärkte werben mit Materialkosten für die Kiste zwischen 50-80 Euro. Für eine Kolonie muss man circa 30 Euro rechnen, die passenden Kisten zum Ernten und für den Saft kosten rund 20 Euro. Man sollte die Würmer immer vor der Austrocknung schützen, hierzu werden Hanfmatten verwendet (circa 10 Euro je Matte). Selbstgebaut kostet eine Kiste alles in allem 100- 120 Euro. Kleine Gemüsekisten, ein ausrangierter Hocker und ein altes Blech können schon einige Teile ersetzen. Mindestens müssen 40 Euro gerechnet werden, der Rest wird durch Upcycling gesammelt.

 

Wie kann ein Unternehmen diese Kiste nutzen?

Wir stellen einige Armbänder aus Holz selbst her. In jedem Unternehmen entsteht Verschnitt und auch durch Fehler Ausschuss. Dieser Anteil an „unverkaufbaren“ und Pappe, sowie Papiermüll arbeiten die Würmer ab. Unser Zukunftsmodell sieht vor, dass alle unsere Armbänder nach ihrem „Luxusleben“ bei euch zu uns zurückgesendet werden. Wir möchten so alle Komponenten recyceln. Die Wurmkiste ist ein erster Schritt dahin.